Prolog

Eine Hommage an unseren heimlichen Star
Nun stehen wir dort oben – auf circa 5.300 Metern. Von hier aus sind es jetzt noch etwas mehr als 3.500 Meter hinauf bis zum Gipfel. Man muss weder Mathematik-Professor noch ein Bergsteiger sein, um zu wissen, dass wir in diesem Moment direkt auf dem höchsten Berg unserer Erde stehen: dem Mount Everest. Ich nehme es vorweg: Die insgesamt exakt 8.848 Meter bis ganz nach oben haben wir nicht geschafft – und das war auch niemals unser Ziel. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens: Wir heißen Dieter und Dagmar, nicht Edmund Hillary und Reinhold Messner. Zweitens: Mein Mann ist Rentner, der mit einem bewundernswerten Abenteuergeist, aber auch mit einer gehörigen Portion Vernunft gesegnet ist. Und drittens: Dieses Mount Everest Base Camp ist der beste und einzige Ort, um die Dimension dieses Naturschauspiels wirklich zu begreifen. Wenn man bereits über 5.000 quälende Höhenmeter zurückgelegt hat und der Gipfel dennoch unendlich weit entfernt scheint, dann bekommt man erst das richtige Gefühl für die Höhe, die jede Vorstellungskraft sprengt. Nur zur Beruhigung: Wir sind den Berg nicht zu Fuß hinauf gekraxelt, sondern fuhren in einem selbstgebauten Wohnmobil dorthin.
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Mongolei
Zeckenbisse und gegarte Ziegen-Innereien
An diesem Abend hatten wir noch ein anderes seltenes Erlebnis: Wir erhielten an unserem Stellplatz Besuch von Mongolen. Diese kamen aus einer in der Nähe liegenden Jurte und boten uns eine Ziege an, die sie für uns schlachten wollten. Alle sagten Ja dazu und ich konnte es leider nicht verhindern. Meinetwegen hätte das arme Tier nicht sterben müssen. Ich mochte sowieso nichts davon essen. Doch nach einer gewissen Zeit hieß es: Die Ziege wäre jetzt geschlachtet und wir sollten in die Jurte kommen, um die gegarten Innereien zu essen. Die Jurte war ziemlich voll, denn die ganze Familie war anwesend und wir sollten nun auch noch Platz nehmen. Im Kreis saßen wir dort um den Kessel mit den gegarten Innereien herum. Selbst der prall gefüllte Darm des armen Tiers lag mit dabei und sollte verzehrt werden. Ich konnte davon gar nichts essen, aber Dieter rückte den schlechten Eindruck, den ich dadurch verursachte, immer wieder zurecht, indem er die doppelte Portion in sich hineinzwängte. Dafür war ich ihm jedes Mal sehr dankbar. Es wurde auch noch Yakbutter angeboten, aber stückchenweise und ohne Brot war die natürlich sehr fettig und Dieter wurde diesen ranzigen Geschmack den ganzen Abend nicht mehr los. Zu Trinken gab es vergorene Stutenmilch und aus Molke hergestellten Milchwein. Am nächsten Morgen wurde uns das restliche Ziegenfleisch zu unserem Fahrzeug gebracht, weil wir es mitnehmen und unterwegs aufessen sollten. Andere Länder, andere Sitten!
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China
Abends versuchten wir unseren Guide Xu dazu zu überreden, am nächsten Tag ruhig mal von der eingereichten Reiseroute abzuweichen und mit uns zu den Hukou-Wasserfällen des Gelben Flusses zu fahren. Schon unsere Fahrt dorthin hatte einige landschaftliche Highlights zu bieten. Es galt, zwei steile Pässe zu überwinden. Der MAN unserer Reisepartner lag in den Serpentinen natürlich klar im Vorteil. Logisch – er hat 100 PS mehr und einen größeren Hubraum! Doch auch unser Unimog schlug sich wacker und
schaffte es spielend! Nachdem wir uns bis auf 2.000 Meter hochgeschraubt hatten, fuhren wir lange Zeit auf dem Gebirgskamm entlang. In allen Farben leuchteten dort die sorgfältig angelegten Terrassenfelder und alle waren begeistert. Nur ich nicht, denn ich hatte andere Sorgen: Ich leide ja an Höhenangst und da es auf diesem Gebirgskamm nur einen sehr schmalen und unbefestigten Pfad gab, wo wir uns in schwindelerregender Höhe mit tiefen Abgründen an beiden Seiten waghalsig auf den Gipfeln voran schaukelten, fürchtete ich mich sehr. Ich hatte meinen Blick starr auf das Armaturenbrett gerichtet – die Abgründe mochte ich nicht sehen und so bekam ich auch von der schönen Landschaft nichts mit. Meine Nerven lagen blank und mir kamen die Tränen. Ausgerechnet dort trafen wir plötzlich eine Frau und einen Mann mit dem Fahrrad und Dieter hielt an, um Hallo zu sagen. Es waren Niederländer. Auch sie schwärmten von der herrlichen Natur. Doch jetzt, da wir hielten, wagte ich auch einen Blick. Was hatte ich versäumt! Die Landschaft war ein Traum, der für mich jedoch auch im weiteren Verlauf nicht zur Realität wurde. Ich konnte einfach nicht aus dem Fenster schauen.
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Tibet
Es war Mitte August und wir mussten dieselbe schlechte Strecke zurückfahren, die wir gekommen waren. In der Nacht gab es Frost und es wehte ein eisiger Wind von den Bergen herab. Diesen Tag wird Ulrich vermutlich nie mehr vergessen! Wir steuerten Lhazê an und erreichten exakt die Stelle, an der Dieter auf dem Hinweg zu Fuß durch das Wasser gegangen war, um die Tiefe zu ergründen. Dieter hatte sich die Furt gemerkt und fuhr mit vollem Speed durch den See hindurch. Wäre Ulrich sofort seiner Spur gefolgt, hätte es keine Probleme gegeben, doch er wartete, bis Dieter drüben war und fuhr dann erst los. Mitten im See kam er plötzlich von der Spur ab und versackte hoffnungslos im Wasserloch. Wir beobachteten die Vorstellung vom anderen Ufer aus, konnten aber nichts beeinflussen. Doch nun waren wir zum Handeln gezwungen, denn die Situation war mehr als brenzlig. Dieter drehte um und versuchte das Fahrzeug unserer Reisepartner mit dem Bergegurt aus dem Wasser zu ziehen, hatte aber keine Chance. Der MAN saß viel zu tief drin und war außerdem zu schwer. Mehrere Chinesen traten uns helfend zur Seite und auch sie versuchten mit allen Mitteln, Ulrichs Truck mit ihren teilweise stärkeren Fahrzeugen zu bergen – jedoch ohne Erfolg. Ulrich hatte inzwischen sogar 2.000 Yuan (circa 350,- Euro) Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der seinen fahrbaren Untersatz befreien würde. Es wurden versuchsweise sogar drei Fahrzeuge gleichzeitig vor den MAN gespannt, um ihn zu bergen, doch auch bei diesen Versuchen rissen lediglich die Abschleppseile. Das Fahrzeug war fast bis zur Bodenplatte abgesunken und inzwischen dämmerte es bereits. Die erste Nacht im See hatte begonnen und zwei weitere sollten noch folgen …
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Wie der 11. September alles veränderte!
Um Tibet zu verlassen, begaben wir uns anschließend auf den insgesamt 4.000 Kilometer langen Weg zur pakistanischen Grenze. Zur zeitlichen Einordnung: Wie es der Zufall wollte, befanden wir uns im Rahmen dieses Reiseabschnitts gerade unmittelbar vor dem Moment, der die ganze Welt erschüttert und bis heute nachhaltig verändert hatte: 9/11! Am Morgen des 11. September berichtete uns Niandong (der inzwischen unseren Guide Huang für den letzten Teil unserer Chinareise abgelöst hatte) von diesem
schrecklichen Zwischenfall in Amerika. Wir waren geschockt und konnten die gesamte Bandbreite dieses Ereignisses zum damaligen Zeitpunkt kaum überblicken. So setzten wir unsere Reise fort – immer weiter in Richtung der pakistanischen Grenze!
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Aufgrund der neusten Zwischenfälle wurden einige Grenzen geschlossen, so auch die Tibet/Nepal Grenze, welche wir überqueren wollten. Nun wussten wir nicht weiter und fuhren erstmal die 4500 Kilometer bis nach Peking zurück. In Peking angekommen, organisierte Niandong fix unsere Weiterreise, welche uns jetzt durch Südchina bis nach Laos führen sollte. Natürlich musste uns Niandong solange begleiten, bis wir ausgereist waren, das schrieb die chinesische Regierung vor. Wir hatten damit all seine Pläne durchkreuzt, doch richteten wir nun unseren Kompass in Richtung Laos aus. Es war uns allen klar, dass dies eine Marathon-Reise werden würde, denn Niandong hatte nur zwei Wochen Zeit, um uns zu begleiten und um wieder nach Hause zurückzukommen.
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Plötzlich erreichten wir eine Stelle, wo sich ganz viele Menschen versammelt hatten. Sie saßen entweder am Flussufer oder befanden sich auf Booten im Wasser. Wir erfuhren, dass an dieser Stelle am Tag zuvor ein voll besetzter Bus ins Wasser gestürzt war. Es hatte sieben Tote und viele Verletzte gegeben, aber es wurden noch immer Menschen vermisst, die bisher noch nicht geborgen werden konnten. Kurz darauf hatten wir selbst Probleme beim Überqueren einer baufälligen Brücke. Die Busfahrer fuhren nicht rüber, sondern ließen ihre Fahrgäste aussteigen und zu Fuß auf die andere Seite gehen, wo sie von einem anderen Bus erwartet wurden. Aber was war mit uns? Wir mussten da rüber! Nachdem wir einen Warnbalken von der Absperrung entfernt hatten, schummelten wir uns auf das wacklige Ding und holperten vorsichtig zur anderen Seite. Das kostete Nerven, besonders nach dem Eindruck mit dem Busunfall.
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Wir hielten uns nicht lange in Kunming auf und die Non-Stop-Marathon-Reise wurde ab jetzt mal wieder bei strömendem Regen fortgesetzt. Die Landschaft hatte sich inzwischen zwar völlig verändert, doch war sie auch hier wunderschön. Die wellige und kurvenreiche Teerstraße führte uns 80 Kilometer lang durch eine grüne Schlucht. Unten rauschte ein lehmiger rot-brauner Fluss. Sonst war es wie im Urwald, alles dicht und grün bewachsen. Alles lag im Dunst und der Regen verstärkte noch den Reiz dieser grünen „tropischen Hölle“, durch die wir uns mit unserem Unimog auf einer schlechten und schmalen Teerstraße bergauf und bergab kämpfen mussten.
Unser Uni war auf dem besten Weg, sich in ein fahrbares Dschungelcamp zu verwandeln, denn auch am nächsten Tag blieb es um uns herum tropisch feucht und warm. Kurzum: Der Busch dampfte! Die Erde war extrem rot und ebenso die vielen kleinen Flüsse, die von den Bergen hinab rauschten, um sich im Tal zu vereinigen und dann als breiter, roter Strom den grünen Dschungel zu durchschneiden, ein reizvoller Farbkontrast! Dann wurde es heller, die Bewaldung dünner, der Fluss und das Tal breiter und der Dunst verzog sich. Sogar die Sonne kam heraus! Schließlich hatten wir dieses schöne, dicht bewachsene Urwaldgebiet durchquert.
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Thailand
Pai kann man nicht beschreiben, man muss es erleben: Es ist ein wahres Paradies! So blieben wir gleich mehrere Tage und unternahmen eine zweitägige Urwaldwanderung. Unser (nur für diese Wanderung engagierter) Guide schlug uns mit seiner Machete den Weg durch das Dickicht frei, wir schliefen im Wald auf Bananenblättern und zum
Abendessen servierte er uns leckere Raupen, die er in einem Bambusrohr entdeckte. Er schnitt das Bambusrohr ab, füllte es mit Wasser und stellte es ins Feuer. Nach wenigen Minuten waren die Raupen gegart und er servierte sie uns in einem der Länge nach halbierten Bambusrohr. In meinem Kopf machte ich mir appetitliche Gedanken: Nichts anderes als Garnelen, sagte ich mir. Dieter probierte sie als Erster und gerade, als ich auch eine nehmen wollte, meinte er: „Die musst du mal probieren, die sind so richtig schön knackig, obwohl sie gegart sind!“ Knackig? Mir reicht es schon, wenn ich auf einen Käfer trete und der knackt. Jetzt konnte ich leider doch nichts mehr davon essen und so haben der Guide und Dieter sie alle allein verputzt.
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Malaysia
Voller Vorfreude kehrten wir nach Kuala Lumpur zurück, um das nächste Ziel auf unserer Weltkarte in Angriff zu nehmen: Australien! Nur alleine dieser Name klingt doch schon nach Koalas, Kängurus und Outback – nach Abenteuer eben! Und es klingt nach Down Under, was in unserem Fall allerdings eher als Galgenhumor verstanden werden darf. Denn in Malaysia angekommen, ging es für uns (und insbesondere unseren Unimog) abwärts. Unser Gefährt sollte ja ursprünglich vom Hafen von Port Klang aus ins australische Brisbane verschifft werden. Doch es passierte das Unglaubliche: Unser geliebter Uni stürzte beim Verladen aus drei Metern Höhe ab, und wir fielen in ein riesiges Loch des Entsetzens.
Kurzum: Das Ganze war ein riesiges Desaster und unsere gesamten Reisepläne gerieten plötzlich ins Schwanken. Da war er nun also, dieser Moment, auf den wir drei Monate lang hingefiebert hatten? - Wie war das noch gleich? Pläne sind dafür da, um über Bord geworfen zu werden.....
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Alaska
Ein Traum wird wahr …
Alaska, endlich angekommen! Dieses Naturparadies wird von der Bevölkerung der anderen 49 US-Bundesstaaten auch die „Icebox der USA“ genannt. Dieser Name kommt nicht von ungefähr, denn schließlich erreicht das Thermometer hier im Winter bis zu minus 40°C. Im Sommer hingegen, so hatte ich vor unserer Ankunft gelesen, kann es durchaus bis zu 35°C warm werden. Genau das waren die Unterschiede, die dieses Land so interessant für uns machten und wir freuten uns sehr auf den nahenden Winter in diesem traumhaften Land. Alaska zählt zu den wenigen Orten dieser Welt, die man nicht beschreiben kann. Dennoch werde ich versuchen, Sie auf diese einmalige Reise mitzunehmen – als Ansporn, es uns gleichzutun. Es ist keine Floskel: Alaska muss man einmal aus nächster Nähe erlebt haben!
Mit welchen Begriffen verbindet man eigentlich Alaska, wenn man den Reiseführern vertraut? „Kälte“, „Einsamkeit“ und „Wildnis“ das sind einige der (zunächst negativ oder gefährlich klingenden) Attribute, die dem 49. Bundesstaat gerne verpasst werden. Und was soll ich sagen? Alle treffen zu! Doch niemand, der einmal vor Ort war, würde diese in ein negatives Gewand stecken. Für mich ist das der Beweis: Worte reichen für Alaska nicht aus. Punkt. Dieser Staat übt einen Zauber aus, der Kälte in Wärme und Einsamkeit in innige Freundschaften verwandeln kann. Nur so ist es möglich, dass die Menschen die extremen Bedingungen aushalten.
In den kommenden Wochen und Monaten durften wir ein Teil dieser einzigartigen Welt sein. Einsamkeit? Kälte? Ja, all das gibt es in Alaska. Doch aus tiefstem Herzen kann ich Ihnen vorab versichern, dass die Magie dieser Landschaft alles andere in den Hintergrund drängt. Diese vermeintliche „Icebox“ vermag eine innere Wärme zu verleihen, die unbeschreiblich und – wie erwähnt – nur dann greifbar ist, wenn man sie am eigenen Leib gespürt hat. Und nun Vorhang auf für unser Alaska-Abenteuer, das für uns mit krachenden Eisabbrüchen, der Suche nach einer Bleibe zum Überwintern und einer zweiten Dagmar begann.
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In dem kleinen Örtchen Willow angekommen, stellten wir durch einen Zufall fest, dass dort eine Deutsche wohnen sollte, die lustigerweise auch Dagmar heißt. Sie holte uns bei der Post ab und wir fuhren hinter ihr her zu ihrem Grundstück. Wir waren zwar Fremde, wurden aber sehr herzlich von ihr empfangen. Dagmar besitzt zusammen mit ihrem Ehemann Shannon an einem Seeufer ein großes Waldgrundstück mit einem sehr schönen Haus. Sie erlaubte uns, so lange auf ihrem Grundstück zu campen, wie wir wollten. Zu diesem Zeitpunkt ahnte aber noch niemand, wie lange wir tatsächlich bleiben würden …
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Brasilien
Unsere Zeit an den Traumstränden in Brasilien war vorbei, der Abschied von dieser einzigartigen Idylle fiel mir wirklich schwer. Ich habe mich am Meer so wohlgefühlt und ich konnte mir nur schwer vorstellen, wieder abreisen zu müssen. Aber Dieter munterte mich auf: Woanders würde es mir auch wieder gefallen … Unsere Reise ging ja weiter und weiter und nach einem letzten Morgenspaziergang war es an der Zeit.
Wir reisten in Richtung Inland durch eine hügelige Landschaft, die immer grüner und tropischer wurde und nach zwei Tagen erreichten wir Maraba. Ab hier begann für uns die 800 Kilometer lange Fahrt auf der Transamazônica bis nach Santarem.
Morgens ging es los: Wir schafften an diesem Tag nur 100 Kilometer auf der um diese Jahreszeit trockenen, aber huckeligen Pistenstrecke; dann übernachteten wir in einer Seitenstraße des kleinen Urwaldstädtchens Itupiranga. Die Transamazônica war nicht nur staubig und unruhig zu befahren, sie führte außerdem auch ständig bergauf und bergab, was zwar im staubigen Zustand keine Rolle spielt, im schlammigen Zustand jedoch schon, weil sich dann das Reifenprofil vom Lehm sofort zusetzt und das Fahrzeug bergauf kaum noch hochkommt, bergab jedoch unkontrolliert herumschlittert. Der Urwald rechts und links wurde leider gründlich gerodet und wir hatten überraschend viel Gegenverkehr oder wurden von anderen Fahrzeugen überholt. Die wenigen am Straßenrand stehen gebliebenen Bäume waren vom aufgewirbelten Staub der vorbeifahrenden Trucks ganz rot verfärbt. Der nächste etwas größere Ort, den wir erreichten, war Altamira. Auf den letzten 100 Kilometern davor gab es unzählige Baustellen, denn mit einem unglaublichen Aufwand wurde hier die Transamazônica asphaltiert! Es war wirklich interessant das anzusehen, denn dies ist ja beinahe ein historisches Ereignis. Für uns war es jedoch vor allen Dingen ein staubiges Ereignis. Bei dieser Hitze mussten wir wegen des Staubs die Fenster schließen und ich schützte meine Atemwege durch einen Mundschutz.
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Bevor wir Altamira erreichten, mussten wir erst mit einer Autofähre über den Rio Xingu geschippert werden. Das ging relativ fix! Kurz darauf sahen wir die ersten Elendshütten. Sie wurden auf Stelzen über einer Art Abwasserkanal errichtet. Der ganze Unrat wurde
hier ins Wasser geworfen und die Bretterverschläge waren alle undicht. Klar, dass hier der Brutkasten fürs Denguefieber seine idealen Bedingungen findet. Im Ort erledigten wir nur die wichtigsten Dinge wie Einkaufen und Tanken. An diesem Tag leisteten Dieter und unser Star „Schwerstarbeit“: Auf einer üblen Holperpiste, die wegen der vielen Schlaglöcher Dieters uneingeschränkte Konzentration verlangte, ging es bis nach Einbruch der Dunkelheit ganze 330 Kilometer weit bis in den Ort Placa. Dieser liegt direkt an der Transamazônica in der Nähe von Ruopolis und wir wollten hier jemanden besuchen: Und zwar Ella, die Schwester von Ernie Schulz, unserem Freund in Paraguay.
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Die Überfahrt auf dem Amazonas war ein Erlebnis! Wir hätten auch (so wie die anderen Passagiere) nebeneinander dicht gedrängt in den Hängematten schlafen können, doch unser Fahrzeug auf dem Vordeck des Schiffes stand in erster Reihe direkt im Fahrtwind und wir hatten jederzeit Zugang zu unserem Truck. Also schliefen wir im Wohnmobil, hielten uns tagsüber mit unseren Campingstühlen oder der Hängematte auf dem Vordeck im kühlenden Fahrtwind auf und hatten sozusagen „Hausbootatmosphäre“ – es war großartig! Wir glitten ziemlich nahe am Flussufer vorbei und konnten wunderbar beobachten, was sich dort abspielte. Manchmal tauchten kleine Flussdelphine im Wasser lustig auf und ab. Aber während der Fahrt auf dem Amazonas war ich auch entsetzt, wie stark die Abholzung dort bereits fortgeschritten war. Inzwischen sah es eher aus wie in Schleswig-Holstein als im Regenwald. Manchmal waren am Flussufer zwar noch Wälder (allerdings ohne die dicken Bäume) zu erkennen, doch als ich durchs Fernrohr blickte, entdeckte ich, dass man durch den Wald hindurchsehen konnte. Es war also nur ein schmaler Streifen am Flussufer geblieben, der Rest wurde bereits abgehackt und das kahle Land wurde nun als Weidefläche für die Rinder oder als Anbaugebiet von Soja genutzt. Trotz fehlender Straßen war am Amazonasufer alles besiedelt, denn die Flüsse werden als Verkehrswege benutzt.
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Am nächsten Morgen hatten wir 230 Kilometer zurückgelegt, denn mehr als 15 Kilometer in der Stunde schaffte unser Schiff nicht. In einem ziemlich großen Nest namens Parintins legten wir im Lauf des Tages noch einmal an. Ich benutzte das Fernrohr und beobachtete das Leben der Bewohner dieser ärmlichen, auf Stelzen erbauten Holzbarracken am Flussufer. Es waren Indios und sie lebten an der Armutsgrenze. Kinder kamen in ihren Einbaum-Booten (die selten dicht gewesen sind und wo immer einer Wasser schöpfen musste) ganz nah an unser Schiff heran und es wurden von den Passagieren kleine Plastiktüten mit gebrauchten Kleidungsstücken ins Wasser geworfen. Darauf stürzten sich nun die Kinder und freuten sich, wenn sie ein Päckchen abkriegten. Nachdem an diesem Tag die Sonne untergegangen war, blieben wir noch lange auf unserem Logenplatz am Schiffsbug sitzen, genossen den lauwarmen Wind, der uns sanft entgegenwehte und betrachteten später den unendlichen Sternenhimmel. Nach Einbruch der Dunkelheit sorgten sowohl unsere chilenischen Schiffsnachbarn als auch einige temperamentvolle Brasilianer für etwas musikalische Unterhaltung. In ganz regelmäßigen Abständen wurde das Ufer von der Besatzung mit einem starken Scheinwerfer gründlich abgeleuchtet: Hier sollte es nämlich Piraten geben und davor war man auf der Hut! Aber die Scheinwerferkontrolle war gründlich und wir vertrauten auf unser Glück – so ging ich irgendwann ganz beruhigt in mein Bett, während Dieter draußen in unserer Hängematte schlief. Am nächsten Morgen hatten wir 600 Kilometer auf dem Amazonas zurückgelegt und sollten nachmittags endlich Manaus erreichen.
Jedoch wurde es mit der Entladung schwierig und dauerte lange! Zwar hatten wir angelegt, aber kamen vorläufig nicht von Bord. All die Hängematten-Passagiere durften
gehen, doch für die beiden Pkws als auch für den chilenischen VW-Bus und für unseren Star gab es keine Rampe, auf der wir hätten das Schiff verlassen können. Dazu musste das Schiff erst eine andere Position annehmen. „Das wird ja als Nächstes geschehen“, dachten wir uns, doch das war ein Irrtum! Das Schiff war zu schwer beladen und lag zu tief im Wasser, sodass der Höhenunterschied zum Pier nicht ausgeglichen werden konnte. Also musste das Schiff erst entladen werden und das sollte sechs Stunden dauern! Es war früher Nachmittag und mit etwas Glück würden wir abends von Bord kommen. Um diese Zeit war es natürlich stockfinster und wir mussten dann in Manaus noch einen sicheren Stellplatz für die Nacht suchen.
Wir fanden ihn auf dem Hof der Militärfeuerwehr, wo wir sogar im Freien duschen durften. Mit dem Bus konnten wir von dort aus problemlos ins Stadtzentrum fahren, wo wir uns an einem Sonntagvormittag im weltberühmten und prunkvollen Opernhaus „Teatro Amazonas“ ein tolles Konzert anhörten. Manaus war einst durch den Kautschukhandel eine blühende Hafenstadt geworden und galt mit seinem 1.600 Kilometer vom Meer entfernten Binnenhafen als das „Paris der Tropen“. Für uns war der Aufenthalt in dieser außergewöhnlichen Urwaldstadt und ganz besonders der Besuch im Opernhaus ein sehr spezielles Ereignis.

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Venezuela
Der bekannteste Strand auf der Isla de Margarita ist Playa El Agua, wo uns allerdings nicht, wie ich vermutete, Hochhäuser erwarteten, sondern nur ebenso kleine Strandlokale wie in den anderen Badebuchten auch. Ich fragte den Besitzer einer Strandbar, ob es denn einigermaßen sicher sei, wenn man hier nachts campieren würde und ein ganz konsequentes „No“ ließ keine Zweifel. Hier sollten wir uns also nicht unbedingt einnisten und so fuhren wir weiter entlang des „angesagtesten“ Strandes der Isla de Margarita, um irgendwo ein gutes Stellplätzchen für uns zu finden. Als wir schon kurz davor waren, die Suche abzubrechen, sprach uns ein Venezolaner auf Englisch an und erzählte von einer Strandbar, die von einer Deutschen betrieben werde. Diese Deutsche hatte auch einen deutschen Chef namens Stefan, der sich sofort um unser Stellplatzproblem kümmerte indem er mit den Indianern sprach, die am Straßenrand in ihren Plastikzelten leben und für die Touristen selbst angefertigten Schmuck verkaufen. „Wenn die Indianer nachts auf euch aufpassen, passiert euch nichts und ihr könnt unbesorgt hier am Straßenrand campieren“, meinte Stefan. Darauf verließen wir uns
und wohnten in den folgenden vier Tagen in Obhut unserer sogenannten „Leibgarde“ am Straßenrand.
Tagsüber verbrachten wir unsere Zeit entweder am herrlichen Karibikstrand oder in Stefans Strandbar, wo wir inzwischen sehr viele Deutsche kannten, die sich alle um einen anderen Stellplatz für uns bemühten. Mit den Indianern hatten wir uns natürlich zwischenzeitlich gut angefreundet und abends, wenn alle anderen bei Dunkelheit aus Angst vor Überfällen das Strandrevier längst verlassen hatten, bildeten wir mit ihnen eine vertraute Gemeinschaft.
Durch Zufall lernten wir Hannelore und Peter kennen. Die beiden lebten schon seit sieben Jahren auf dieser Insel. Etwas vom Strand entfernt besaßen sie ein schönes Haus mit großem Grundstück und genügend Platz für unseren Truck. Dort campierten wir dann, bis wir 18 Tage später die Isla de Margarita wieder verließen.
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Kolumbien
Während ich in unserer Wohnkabine für Ordnung sorgte, registrierte ich, dass es wegen unseres Wohnmobils draußen etwas Unruhe gab und neugierig blickte ich aus dem Fenster. Ach, herrje! Ein riesiges Polizeiaufgebot reihte sich um unser Wohnmobil und sie hatten Spürhunde dabei. „Da wird doch wohl an der letzten Grenze keiner etwas unter unserem Fahrzeug befestigt haben“, schoss es mir siedend heiß durch den Kopf. Also öffnete ich mein Fenster und fragte ob irgendetwas nicht stimmte. Jetzt sah ich erst, wie viele Leute es waren: ein ganzer Kleinbus voller Polizisten und noch ein weiteres Fahrzeug mit Sicherheitsbeamten reihte sich um unseren Star. „Wir untersuchen nur dieses Fahrzeug“, antwortete einer der Beamten. „Suchen Sie nach Drogen?“, fragte ich besorgt. „Nein, nach Sprengstoff“, war die knappe Antwort und jetzt wollte einer der Beamten wissen, was dieses komische Fahrzeug hier überhaupt zu suchen hatte. Ich bot den Beamten an, ins Fahrzeuginnere zu kommen, um sich davon zu überzeugen, dass sich weder Drogen noch Sprengstoff in unserem Wagen befanden. Zögernd und mit schussbereiter Pistole traten die Polizisten vorsichtig ein. Inzwischen waren in der gesamten Nachbarschaft die Fenster aufgegangen und die Leute beobachteten schaulustig, was geschah. Einige ganz mutige Nachbarn waren inzwischen sogar aus ihren Wohnungen herausgekommen und hatten sich bis zu unserem Wohnmobil herangetraut. Nun wurde ich gründlich befragt und ich erzählte unsere Geschichte, die mir nach und nach immer mehr Sympathie, Interesse und Vertrauen entgegenbrachte. Sprengstoff hatten die Spürhunde nicht gefunden und Rauschgift auch nicht, also glaubte man mir. Entschuldigungen wurden ausgesprochen und nach und nach entfernten sich die Beamten. Aber ein Gutes hatte das Ganze dann doch: In dem ganzen Viertel kannte man mich jetzt und mir wurde auch erlaubt, weiterhin an dieser Stelle zu campieren. Sicherer konnten wir hier jetzt wirklich nicht sein!
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Peru
Nach dem Himalaya-Gebirge lag uns nun das zweithöchste Bergmassiv der Welt vor Augen und zwar wolkenfrei mit leuchtend weißen und schneebedeckten Gipfeln unter einem stahlblauen Himmel. Wir fühlten uns wie im Paradies und konnten uns vor lauter Euphorie kaum beruhigen. Immer wieder machten wir Stopps, damit wir diese wundervolle Welt mit der Kamera einfangen konnten. Enge Zickzack-Kurven führten uns immer höher und weiter in diese Wunderwelt hinein. Wie gebannt blickten wir
ständig hinüber zum frisch verschneiten Mount Huascarán, um dessen Spitze sich schon langsam kleine Wölkchen bildeten. Die Zeit für eine Frühstücks- oder Mittagspause gönnten wir uns nicht. Wir wollten das schöne Wetter ausnutzen, solange es möglich war, denn das war für uns wie ein Geschenk des Himmels. In der Cordillera Blanca gibt es circa 20 Berge mit einer Höhe von mehr als 6.000 Metern. Immer wieder boten sich nach einer Biegung neue Aussichtspunkte auf die blaugrünen Seen und die umliegenden Schneeberge. Aber am Nachmittag wurde das Wetter schlechter und es regnete sogar etwas. Doch wir hatten ja unser Schauspiel gehabt und waren darüber überaus glücklich! Wir fuhren bis auf 3.400 Meter hinab und unseren Übernachtungsplatz fanden wir im Ort Yanama. Dort regnete es während der ganzen Nacht und hörte auch am darauf folgenden Morgen nicht auf. Was hatten wir am Tag zuvor nur für ein großes Glück gehabt!
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Chile & Bolivien

Wie ich vor Glück strampelte

Auf unserer bisherigen Reise haben wir viele wundervolle Orte bereist, an die ich mich immer erinnern werde und die uns unser Leben auf gewisse Weise versüßt haben. In Chile sollten wir tatsächlich gegen Ende unserer Reise einen Moment erleben, der mir vor Glück fast die Tränen in die Augen steigen ließ. So viel verrate ich an dieser Stelle schon vorweg: Es gab einen Moment, in dem wir uns wortwörtlich vor Glück „über den Wolken“ fühlen durften …
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Schon kurz, nachdem wir losgefahren waren, kamen wir immer näher an den Cerro La Rancagua heran. Es riss sogar die Wolkendecke etwas auf und wir warteten, bis wir diesen ebenmäßigen Berg mit der weißen Schneekuppe ganz wolkenfrei vor uns hatten. Mit so viel Glück hätten wir niemals gerechnet, kurz vorher hatte es sogar noch Regen und Schneefall gegeben! Nun solch ein rascher Wetterwechsel und diese grandiose Aussicht, das war schon ein Wunder! Nachdem wir voller Begeisterung unsere Fotos geschossen hatten, fuhren wir um eine Kurve herum und trauten unseren Augen nicht: Vor uns lag der Lago Chungará und an seinem Ufer standen wie aufgereiht fünf schneebedeckte über 6.000 Meter hohe Vulkane im Sonnenlicht; alle völlig wolkenfrei – was für ein Anblick! Ich hopste, jubelte und strampelte vor Freude, ich konnte mich vor Begeisterung kaum beruhigen und ließ den Glückstränen freien Lauf! Dieser Anblick toppte unsere schönsten Vorstellungen! Hier oben in den Anden waren wir jetzt auf einer Höhe von 4.646 Metern. Der Lauca-Nationalpark (in dem wir uns befanden) beherbergt insgesamt zehn Schneevulkane und sechs davon hatten wir nun schon ohne Wolken gesehen. So viel Glück hat selten jemand, den meisten Besuchern bleibt diese Wahnsinns-Aussicht verwehrt. Im Vordergrund dieser fünf weißen Riesen glänzte der Chungará-See im Sonnenlicht und an seinen Ufern weideten Lama-Herden und hunderte von Flamingos suchten nach Futter. Einer dieser Vulkane (wohl der Vulkan Guallatiri) ist noch aktiv und wir konnten an seiner Spitze eine weiße Rauchfahne aufsteigen sehen. Die beiden Payachata-Zwillingsvulkane (der Parinacota mit 6.350 Meter sowie der Pomperape mit 6.240 Meter) ruhen dagegen. Wir haben den Ausblick so lange genossen, bis sich wieder Wolken bildeten, dann fuhren wir weiter bis zur Grenze zwischen Challuca und Tacna. Chile hat uns einen wahrhaft perfekten Abschluss beschert und überglücklich ging es für uns weiter.
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Uruguay

Ich buchte am nächsten Tag unseren Flug nach Deutschland, und zwar für den 28. April. Es war verrückt: An diesem Tag vor genau zwölf Jahren startete unser großes Abenteuer in Deutschland und nun buchten wir einen Rückflug für eben dieses Datum. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass an diesem Tag unsere Reise auch ihr tatsächliches Ende erreicht haben sollte …
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Vor unserem Abflug hatten wir noch einen Termin mit einem Interessenten für unseren Star. Dieser Tag wurde für mich zur Zitterpartie, denn der Mann schien wirklich interessiert, hielt sich stundenlang bei uns auf. Er wollte den Star tatsächlich kaufen. Und Dieter wollte ihn hergeben. Dann wäre alles vorbei – unsere schöne Reise wäre endgültig zu Ende! Für mich war das Ganze unvorstellbar und ich hoffte, dass der Mann sein Angebot doch noch zurückziehen würde, denn eine verbindliche Zusage machte er an diesem Tag zum Glück noch nicht. Für mich standen von nun an schlaflose Nächte auf dem Programm, denn ich hatte Angst davor, unseren Star hergeben zu müssen. Für mich war dieser Wagen viel, viel mehr als „nur“ ein Fortbewegungsmittel. Er war eben mein Star und zwar im wortwörtlichen Sinne. In diesem Wagen sind wir die letzten Jahre um die Welt gereist und haben die schönsten Momente unseres ganzen Lebens verbracht. Das alles sollte nun zu Ende sein?
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Und trotz aller Hoffnungen kam dann doch der Tag, vor dem ich mich gefürchtet hatte: Unser Fahrzeug wurde verkauft! Mit diesem Moment war unsere zwölfjährige Weltreise beendet und auf den Tag genau nach zwölf Jahren kehrten wir nach Deutschland zurück. Auf der einen Seite war ich wahnsinnig traurig, unsere Reise als beendet zu wissen, auf der anderen Seite war ich froh über diese zwölf Jahre, denn sie waren unsagbar schön, aufregend und inspirierend und vor allem eines: abenteuerlich! An unseren Star denke ich inzwischen fast jeden Tag und damit verbunden an die unendlich weite Welt, die wir bereisen durften und das kann mir niemand nehmen!
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Epilog


Der Star lebt weiter – in unseren Herzen!

-Wir standen dort oben – auf circa 5.300 Metern. Von dort aus waren es noch etwas mehr als 3.500 Meter hinauf bis zum Gipfel.- Dieser unvergessliche Moment im Mount Everest Base Camp war sozusagen die Geburtsstunde des heimlichen Stars unseres Extremtrips. Spätestens ab diesem Moment „hörte“ unser Fahrzeug auf diesen Spitznamen, den es nie wieder ablegen sollte – zumindest in unseren Herzen hat sich daran bis heute nichts geändert. Trotz der vielen eindrucksvollen Metropolen, Landschaften und Menschen, die wir in all den Jahren kennenlernen durften, stand für mich persönlich noch etwas anderes Wichtiges immer an erster Stelle: Es musste uns dreien gut gehen – Dieter, mir und unserem Star. Nur gemeinsam konnten wir nach den Sternen greifen und die Schwierigkeiten eines solchen Abenteuers meistern. Wir waren ein Team. Umso härter traf mich auch die Nachricht, dass unserem Star der Halterwechsel überhaupt nicht gut bekommen war. Der neue Eigentümer hatte das Gefährt an einem Gefälle geparkt, ohne es ausreichend zu sichern. So setzte sich unser Star wie von Geisterhand plötzlich in Bewegung und stürzte einen Hang hinab. Er wurde dabei vollständig zerschreddert und meine eigene, fantasievolle Interpretation dieses Geschehnisses lautet: Unser Star wollte nicht mehr weiterfahren, nachdem er merkte, dass wir dieses Mal aus dem
Deutschlandurlaub nicht zu ihm zurückkehren würden. Insgeheim habe ich die Hoffnung, dass er mit Hilfe dieses Buches weiterlebt. Ihnen, lieben Lesern, soll dieses Werk als Anreiz dienen, ihre Träume nicht aufzuschieben, sondern zu verwirklichen. Sollten wir dieses Bewusstsein in Ihnen entfacht haben, dann haben Dieter, ich und unser Star ihren Auftrag erfüllt. Dieser Extremtrip war die Reise unseres Lebens!